Warum ich die Piratenpartei unterstütze...

Ich war mal bedingungsloser Idealist, so vor 15 Jahren, als ich noch jung und (fast) unschuldig war. Damals habe ich noch an das Gute im Menschen geglaubt und war der Meinung das der überwiegende Teil der Menschheit intelligent ist, moralische und ethische Grundprinzipien hat und auch dementsprechend handelt.

Über die 90er Jahre und das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hat mich die Realität dann aber überrollt. Insbesondere die sogenannten Führungseliten (z.B. Manager und Politiker), deren Entscheidungen ja eigentlich im Besonderen von Intelligenz, Moral und Ethik geprägt sein sollten, tun sich durch besonders amoralisches, unethisches und oft genug auch dummes Verhalten hervor.

In Wirtschaft und Politik herrscht mittlerweile ein Selbstbedienungsladen der eigentlich nur noch dazu da ist den Teilnehmern zu möglichst großen meist finanziellen Vorteilen zu verhelfen.

Manager entlassen ungeniert produktive Mitarbeiter um sich die eingesparten Gelder postwendend als Bonus in die eigene Tasche zu stecken. Nur um Bilanzen kurzfristig zu schönen werden für die langfristige Zukunft des Unternehmens katastrophale Entscheidungen getroffen (z.B. Einstellen von Forschung und Produktentwicklung). Das Betriebsklima wird durch Mircomanagement der Mitarbeiter und eine Entlassungswelle nach der Anderen auf den absoluten Nullpunkt gebombt.

Politiker genieren sich mittlerweile nicht mal mehr quasi offene Bestechung zu akzeptieren und handeln ohne auch nur mit der Wimper zu zucken an den Interessen der Bürger vorbei oder oft sogar gegen die Bürger von denen Sie eigentlich Ihren Regierungsauftrag erhalten haben. Das dickste (bekannt gewordene) Beispiel dürfte die Millionenspende des Hotelgewerbes an die FDP gewesen sein die den Staat und damit die Bürger mehrere Milliarden Euro Steuereinnahmen gekostet hat. Weniger offensichtlich aber auch nicht besser sind die Bestechungssummen die durch die Lobby an unsere Politiker fließen. Natürlich (in der Regel) nicht in bar, aber was ein Manager von einem Politiker erwartet dem er einen Aufsichtsratsposten zu schachert der in etwa mit dem Gehalt eines Abteilungsleiters bezahlt wird, für den der Politiker aber exakt 0 Arbeitsstunden im Jahr aufwenden muss, das braucht man glaube ich niemandem zu erzählen (Ein bisschen was hat der Manager freilich auch schon so davon, da die Kontrollfunktion des Aufsichtsrates ausgehebelt wird, wenn da nur Marionetten drin sitzen und somit das einzige Kontrollgremium welches seine Verträge mit 2- oder 3-stelligen Millionenboni kippen könnte ineffektiv wird). Gleiches gilt auch für Honorarvorträge die gerne von der Lobby an Politiker vergeben werden. Wer glaubt im Ernst das ein Honorar von 50.000 bis 100.000 Euro für einen 90 Minuten Vortrag eines „Spitzenpolitikers“ von der Wirtschaft ohne gewisse Erwartungen gezahlt wird: Ich jedenfalls nicht. Das manche Politiker den „Anstand“ haben Ihre Honorarvorträge erst nach der Amtszeit und nicht während der vom Bürger bezahlten Arbeitszeit abzuarbeiten, bzw. die richtig großen Versprechen dann erst nach der Amtszeit einlösen (ich sage nur Koch/Bilfinger Berger und Schröder/Gasprom) macht es auch nicht besser.

Interessenvertretung ist ja schön und gut aber Interessen mittels finanzieller Macht der Mehrheit aufzuzwingen ist nicht im Sinne der Demokratie. Das ist dann eine verschleierte Monetäre Diktatur. Mittlerweile hat die Wirtschaft unsere Regierung so fest im (Würge-)griff das echtes politisches Handeln zum Stillstand gekommen ist. Alle wissen das es an allen Ecken und Enden (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Sozialreformen, Finanzwirtschaft, verrottende Infrastruktur, Überschuldung der Öffentlichen Haushalte, überbordende Bürokratie etc.) brennt aber nichts passiert weil die Politik regungslos im Netz der Lobbyspinne gefangen ist.

Wenn man sich nun anschaut was da in den letzten 20 Jahren mit zunehmender Dreistigkeit durchgezogen wird ohne das die breiten Massen davon sonderlich Kenntnis nehmen, dann rücken unweigerlich die Medien in das Blickfeld. Echte investigative Journalisten müssten sich bei Schieflagen dieses Kalibers ja eigentlich die Finger lecken und sich wie die Hyänen auf die Beute stürzen.

Schaut man sich aber Medien und Presse an, dann muss man nach so langer Zeit und so vielen verpassten saftigen Storys den Eindruck gewinnen, das da was im Busch ist. Beobachtet man dann die Medien und die Presse genauer, dann stellt man fest das sich der Einfluss der Wirtschaft nicht auf die Politik beschränkt, sondern das auch Medien und Presse fest im Griff der Wirtschaft und wirtschaftlicher Interessen sind, bzw. die öffentlich rechtlichen Medien nur noch ein Propagandainstrument der Politik darstellen. Investigativer Journalismus ist tot, es lebe die Maximierung des Gewinns ohne Rücksicht auf moralische und ethische Grenzen. Unter dem Druck von einflussreichen Lobbygruppen werden dann faktisch falsche Artikel veröffentlicht, Halbwissen verbreitet, Blendgranaten gezündet und breit angelegte Massenmanipulation betrieben um die Meinung zu bestimmten Themen zu beeinflussen, bestimmte Themen aus dem Wahrnehmungshorizont der Gesellschaft zu drängen oder zu halten. In meinen Augen hat diese teilweise unterbewusste Meinungsmanipulation der Massen mittlerweile diverse Schreckensszenarien von Science-Fiction-Autoren längst überholt.

Beispiele aus der nahen Vergangenheit, bei denen in meinen Augen bewusst ein bestimmtes verzerrtes Bild forciert wird:

Die Pressekampagne gegen Gutenberg (Da hat die Medienkampagne - erstaunlicherweise - zwar nicht gezogen, aber es wurde immerhin das Ziel zum Rücktritt genötigt).

Piratenpartei (Hier läuft finde ich gerade ein Versuch die Worte „unzuverlässig“ und „nicht ernsthaft“ mit der Piratenpartei zu verknüpfen indem über alle Medien hinweg zum Beispiel sehr bewusst, selbst in oberflächlich halbwegs positiven Artikeln, immer „die Protestpartei Piratenpartei“ geschrieben und auf Themen der Piratenpartei gelenkt wird die sich gut unseriös ausschlachten lassen, während eigentliche Kernthemen wie Transparenz und bürgernahe Politik, sowie die Notwendigkeit struktureller Reformen von Gesellschaft und Staat totgeschwiegen werden).

Abschaltung aller Atomkraftwerke (Ist noch in vollem Gange. Noch immer tauchen Wortpaare wie „Sichere Energieversorgung“ = „Kernenergie“ und „regenerative Energie“ = „unbezahlbar“ quer durch alle Medien auf, während noch immer kein nennenswertes Wort über das Atommüllproblem verloren wird, welches so nebenbei dafür sorgt das Kernenergie inklusive der Atommüllentsorgungskosten deutlich teurer als die als teuer verschrieene Photovoltaik ist).

Ohne das Bild noch zu schwärzen und im einzelnen auf strukturelle Schiefstände in dringend reformbedürftigen Bereichen unseres Landes einzugehen, denke ich das es extrem schwierig wird die oben beschriebenen Missstände zu korrigieren, eigentlich fast unmöglich, was aber mittel- bis langfristig (10-20 Jahre) zu einer dramatischen Systemkrise (Staatsbankrott, Geldentwertung, eventuell sogar Bürgerkrieg) führen würde, die ich eigentlich nicht erleben will.

Warum unterstütze und wähle ich also die Piratenpartei, beteilige mich aktiv an der Meinungsbildung der Partei im Liquid Feedback und möchte und werde mich letzten Endes auch persönlich engagieren?

Weil ich glaube das die Piratenpartei das richtige Handwerkszeug eingepackt hat (Basisdemokratische Meinungsbildung in der Partei, Transparenz politischer Entscheidungen und politischen Handelns).
Weil zu Zeit genügend Idealismus mit im Boot ist um sich nicht korrumpieren zu lassen.
Weil trotzdem vorsorglich durch die Basisdemokratische Meinungsfindung von Anfang an innerhalb der Partei Sicherungsmechanismen in die Parteistruktur integriert wurden, die es der Lobby schwer machen die Meinungsfindung der Piratenpartei zu beeinflussen.

Durch diese Grundvoraussetzungen ist die Piratenpartei meiner Meinung nach derzeit die einzige Partei die eventuell in der Lage ist den derzeit etablierten ungesunden Politikstil aufzubrechen und wieder unabhängige, bürgernahe und lösungsorientierte Politik durchzusetzen.

Nur mit einer unabhängigen und lösungsorientierten Regierung wären aber die dringend notwendigen strukturellen, staatlichen und gesellschaftlichen Reformen (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Sozialreformen, Finanzwirtschaft, verrottende Infrastruktur, Überschuldung der Öffentlichen Haushalte, überbordende Bürokratie etc.) überhaupt bewältigbar.

Folglich ist für mich derzeit die Piratenpartei die einzige Hoffnung durch geordnete Reformen des Systems einen katastrophalen Systemzusammenbruch zu verhindern und dabei Deutschland für seine Bewohner gleichzeitig auch noch lebenswerter zu gestalten.

Gruß
Michael

Interessante Links zum Thema:

Youtube-Video: zum Thema manipulative Medien

N24-Video: Bundespressekonferenz der Piratenpartei auf N24

Artikel: Piratenpartei  - Eine harte Nuss für Lobbyorganisationen

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Kommentare

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  1. Bea schreibt:

    So isses :-)
    Da gleichen sich deine u. meine Erfahrungen/Einstellung absolut


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